Remdesivir und was Ärzte für die Behandlung von Corona-Patienten wissen müssen

Remdesivir

Was Ärzte zur Behandlung von Covid-19 mit Remdesivir wissen müssen.

Lesedauer: 4 min.

In diesem Beitrag geben wir einen Überblick über das Medikament Remdesivir im Zusammenhang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2.

Dabei geht es unter anderem um die wichtigsten Fragen zur Wirkungsweise des Medikaments und darum, was Ärzte für die Behandlung mit Remdesivir wissen müssen.

Ein Beitrag der Molekular-Medizinerin Carla Schmidt der Oxford University.

Remdesivir und Covid-19

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hat Europa wie ein Tsunami überrollt.

Das Virus wurde zunächst unterschätzt. Während Anfang März noch in den Urlaub gefahren wurde, so begann nur einige Tage später der totale Lockdown.

Vor allem die Ausbreitungsgeschwindigkeit wurde zu Beginn als wesentlich niedriger eingeschätzt.

Bald aber stellte sich heraus, dass drastische Maßnahmen nötig waren, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Die Krankheit Covid-19 kostete vielen Menschen das Leben. Vor allem bei Älteren und Vorerkrankten ist der Krankheitsverlauf fatal.

Aber auch jüngere Menschen leiden unter schweren Symptomen und können häufig tagelang das Bett nicht verlassen.

Aufgrund der Fatalität und dem oft schwierigen Krankheitsverlauf von Covid-19, wurde schon früh nach passenden Medikamenten gesucht.

Dabei bietet es sich an, bereits vorhandene antivirale Medikamente auf Wirksamkeit gegen Covid-19 zu testen.

Bereits im Februar hatte die erste klinische Studie in den USA zu Remdesivir des Pharmaunternehmens Gilead am University of Nebraska Medical Center (UNMC) begonnen.

Zahlreiche Studien folgten und seit Freitag dem 03.07.2020 ist Remdesivir als erstes Medikament zur Behandlung von Covid-19 in Europa zugelassen.

Die Zulassung von Remdesivir durch die Europäische Kommission erfolgte im Schnelldurchlauf. Nur einen Monat nach dem der Antrag eingegangen war, erfolgte die Zulassung.

Aber was ist Remdesivir und wie wirkt es?

Was ist Remdesivir?

Remdesivir ist ein antiviraler Arzneistoff, der ursprünglich im Zuge der Ebola Krise entwickelt, aber nie für den Einsatz zugelassen wurde.

Weitere Studien gaben Hinweise, dass Remdesivir auch gegen Coronaviren wirken könnte.

Remdesivir ist ein synthetisiertes Nukleotidanalogon und wird per Infusion verabreicht.

Es wird von dem kalifornischem Biotechunternehmen Gilead Sciences produziert.

 

Strukturformel-Remdesivir

Wie wirkt Remdesivir?

Nukleotidanaloga ähneln im Aufbau den natürlich vorkommenden Nukleotiden, den chemischen Grundbausteine von RNA und DNA.

Um sich zu vermehren, müssen Viren ihr Erbgut vervielfältigen.

Dazu benötigen sie ‚Bausteine’ (Nukleotide), aus denen der neue Erbgut–Strang (RNA) gebaut werden kann.

Weil Remdesivir im Aufbau den natürlichen Nukleotiden der Zelle ähnelt, wird es von Viren zur RNA-Replikation (also Erbgutvermehrung) verwendet.

Das Virus wird quasi von einem Nukleotid-Doppelgänger getäuscht.

Remdesivir ist ein Pro-drug. Der Wirkstoff ist zunächst inaktiv und wird erst durch Verstoffwechselung in eine aktive Form umgewandelt.

Sobald Remdesivir in den RNA-Strang eingebaut wurde, wird es aktiviert und hemmt das Enzym RNA-Polymerase, welches für die weitere Replikation benötigt wird.

Dadurch kommt es zu einem Kettenabbruch, was eine weitere Vermehrung des Virus in den infizierten Zellen verhindert.

Deswegen gehört Remdesivir zu der Gruppe der Virostatika.

Infizierte Zellen werden zwar nicht vom Virus ‚befreit’ – die Vermehrung des Virus wird jedoch gestoppt.

 

Welche Nebenwirkungen hat Remdesivir?

Bisher ist über die Nebenwirkungen von Remdesivir nur wenig bekannt – es gilt allgemein als gut verträglich.

Es kann jedoch zu Leberentzündungen und einer Verschlechterung der Nierenfunktion kommen.

Außerdem können Übelkeit, Erbrechen und niedriger Blutdruck auftreten. Zu den allgemeinen Symptomen von Virustatika zählen außerdem Schwächegefühl, Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Remdesivir ist ein neues Medikament, das bisher nur bei klinischen Studien mit wenigen Probanden eingesetzt wurde.

Erst nach längerer Einsatzzeit von Remdesivir werden wir detaillierte Auskünfte über die Häufigkeit und den Schweregrad von Nebenwirkungen erhalten.

Studien zu Remdesivir und Covid-19

Welche Studien gibt es zur Wirkung von Remdesivir bei Covid-19 Erkrankten?

Die ersten Studien zu Remdesivir gegen Covid-19 starteten Anfang Februar in China. Diese konnten allerdings erst gegen April (und auch nur teilweise) zu Ende geführt und im Fachjournal ‚The Lancet’ veröffentlicht werden.

In der Studie von Wang et al., brachte die Therapie mit Remdesivir keine signifikanten Vorteile oder Verbesserungen für die Covid-19 Patienten.

Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass nur rund 240 Patienten in die Studie mit einbezogen wurden – eine zu geringe Probandenzahl um aussagekräftige Daten zu sammeln.

Eine amerikanische Studie, publiziert im New England Journal of Medicine, lieferte jedoch aussagekräftigere und erfolgsversprechende Ergebnisse.

Seit mitte Februar wurde Remdesivir zur Behandlung von Covid-19 von dem University of Nebraska Medical Center (UNMC) an rund 1000 Patienten getestet.

Diese Studie war die erste klinische Studie in den USA zur medikamentösen Behandlung von Covid-19.

Dabei wurde Patienten die sich aufgrund fortgeschrittener Covid-19 Erkrankung im Krankenhaus befanden entweder Remdesivir oder ein Placebo verabreicht.

Die Studienergebnisse zeigen, dass sich die Patienten mit Remdesivir schneller erholten als die Kontrollgruppe.

Genauer gesagt dauerte es im Durchschnitt 11 Tage bis sich die Patienten mit einer Remdesivir-Therapie erholten im Vergleich zu 15 Tagen für die Placebo Gruppe.

Zusätzlich war die Mortalitätsrate in der Remdesivir Gruppe fast 4% niedriger als in der Placebo Gruppe. Dies ist allerdings ein sehr geringer Unterschied und man kann ihn nicht mit Sicherheit auf die Wirkung von Remdesivir zurückführen.

Eine zweite Studie, durchgeführt von Grein et al., zeigte weitere positive Ergebnisse.

Von 53 Patienten die mit Remdesivir behandelt wurden, hatte sich der Krankheitsverlauf bei gut zwei dritteln nachhaltig verbessert.

Die Patienten dieser Studie waren zum größten Teil sehr schwer an Covid-19 erkrankt. Ein Unterschied zu der Studie vom UNMC.

Auch hier lässt sich durch die niedrige Probandenzahl jedoch keine endgültige Aussage über die Wirkung von Remdesivir bei Covid-19 machen.

Es gibt also zur Anwendung von Remdesivir bei Covid-19 Erkrankten nur eine einzige aussagekräftige und veröffentlichte Studie.

Woher kommt der auf den sozialen Netzwerken verbreitete positive Ruf von Remdesivir?

Der Name Remdesivir ist vielen Menschen bekannt und das Medikament wird vor allem als mögliches Wundermittel gegen Covid-19 wahrgenommen.

Das liegt auch daran, dass öffentliche Persönlichkeiten wie Präsident Trump immer wieder bestätigen, wie vielversprechend und wichtig Remdesivir ist und das, obwohl es nur eine einzige veröffentlichte Studie gibt?

In Amerika wurde Remdesivir bereits Anfang Mai mit begrenzter Erlaubnis zur Behandlung von Covid-19 Patienten eingesetzt.

Also fast zeitgleich mit der Veröffentlichung der einzigen wirklich aussagekräftigen Studie.

Leider gab es seit dem Ausbruch von SARS-CoV-2 immer wieder Veröffentlichungen von Ergebnissen, die teilweise vertraulich und vor allem unvollständig oder wissenschaftlich eher inkompetent waren.

Nur in Fachjournalen publizierte Studienergebnisse sollten von Kommissionen in Betracht gezogen werden.

Remdesivir und Dexamethason

In unserem Artikel über Dexamethason haben wir aktuelle Studienergebnisse erklärt und erläutert wie das Kortison-Präparat im Zusammenhang mit Covid-19 eingesetzt werden kann.

Zum aktuellen Zeitpunkt sind Remdesivir und Dexamethason die zwei vielversprechendsten Medikamente, um Covid-19 Erkrankten zu helfen.

Deswegen ist es interessant, beide Medikamente einmal gegenüberzustellen:

 

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit von beiden Medikamenten für die Behandlung von Covid-19 wurde noch nicht ausreichend belegt.

Der Hauptunterschied liegt darin, dass Dexamethason ein Präparat ist, welches nur bei sehr schwer Erkrankten Patienten eine Besserung hervorrufen kann. Bei weniger Kranken könnte Dexamethason sogar schädlich wirken (ausführliche Infos hier).

Im Allgemeinen kann Dexamethason nur zur Verbesserung von Symptomen eingesetzt werden.

Remdesivir hingegen ist ein Virostatika und zielt darauf ab, die Verbreitung von SARS-CoV-2 im Körper zu stoppen.

Deswegen liegt es Nahe, Remdesivir (so wie bei den meisten Virustatika) schon früh nach Einsetzen der Krankheit zu verabreichen.

Dadurch könnte es im Idealfall gar nicht zu einer schweren Erkrankung mit Covid-19 kommen.

Nebenwirkungen

Dexamethason weist eine Vielzahl an möglichen und teils fatalen Nebenwirkungen auf. Das liegt daran, dass es im ganzen Körper in fast jedem Organ Reaktionen hervorruft.

Bei einer Dexamethason-Therapie muss genauestens auf den Krankheits-/Therapieverlauf geachtet werden und die Dosierung muss sehr genau eingestellt werden.

Zu den Nebenwirkungen von Remdesivir ist hingegen noch nicht viel bekannt.

Es wird allgemein als verträglich eingeschätzt und wirkt eher spezifisch. Im Vergleich zu Dexamethason wirkt Remdesivir (im Normalfall) nur in infizierten Körperzellen.

Remdesivir kann jedoch nur als Infusion, also in einer Klinik, verabreicht werden während Dexamethason auch in Form von Tabletten eingenommen werden kann.

Kosten

Der Hauptunterschied zwischen Dexamethason und Remdesivir sind die Kosten beider Medikamente.

Eine Therapie mit Remdesivir kostet in den USA 390 Dollar (ca. 350 Euro) für eine Dosis. Die volle Behandlung mit ca. sechs Einheiten kostet 2340 Dollar (ca. 2080 Euro).

Im Vergleich: Für weniger als 60 Euro kann man ca. acht Patienten mit Dexamethason behandeln.

Die Zukunft der Remdesivir-Behandlung

Obwohl Remdesivir in Europa seit 03.07.2020 als Medikament zugelassen ist, gibt es ein Problem, das uns bei allen Medikamenten und Impfstoffen gegen Covid-19 und SARS-CoV-2 begleiten wird:

Der internationale Kampf um die besten Therapien für Covid-19.

Dabei spreche ich nicht vom Konkurrenzkampf in der Forschung, sondern um den Verteilungskampf.

Also die Medikamente und Impfstoffkandidaten vom Weltmarkt abzukaufen.

Die USA hat diese Woche den Gesamtbestand an Remdesivir für die nächsten drei Monate aufgekauft. Das heißt für Europa, das Vereinigte Königreich und den Rest der Welt bleibt kein Remdesivir übrig.

Es gibt lediglich Vorräte in den jeweiligen Ländern.

Natürlich herrscht auch bei Medikamenten ein Angebot-Nachfrage Prinzip.

Die Produktion kann aufgestockt werden. Dies ist jedoch kein Prozess der innerhalb weniger Wochen durchgeführt werden kann.

Laut der Pharmafirma Gilead ist die Produktion von Remdesivir ein komplexer über Nordamerika, Asien und Europa verteilter Prozess und beinhaltet mindestens 20 Schritte mit teils hochexplosiven Chemikalien.

Remdesivir ist kein Wunderheilmittel, könnte jedoch ein Lichtblick im Dunkeln von Corona sein – vor allem da eine Behandlung mit Remdesivir wohl kaum Nebenwirkungen hervorruft.

Studien zeigen positive Ergebnisse, die untersuchten Patientengruppen sind aber zu klein und es benötig weitere großflächigere Studien.

Eine wichtige Frage die beantwortet werden muss, ist, ob die Wirksamkeit von Remdesivir je nach Schweregrad der Covid-19 Erkrankung unterschiedlich ist.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen inwiefern Remdesivir bei Covid-19 Erkrankten angewendet werden und deren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann.

Carla Schmidt ist Molekularmedizinerin der University of Oxford
Carla Schmidt , Molekular-Medizinerin der Oxford University
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