Mein Sabbatical als Praxisinhaberin

Ein Rückblick nach 2 Jahren

Die Vorgeschichte meines Sabbaticals

Von Kind an wusste ich, dass ich Ärztin werden wollte. Diesen Traum verwirklichte ich, indem ich von 1986 bis 1993 Medizin in Regensburg und München studierte.

Nach meinem Studium, meiner Arzt-im-Praktikum(AIP)-Zeit an einer Klinik und der Geburt meiner zwei Kinder begann ich als Weiterbildungsassistentin in einer Hausarztpraxis zu arbeiten. Parallel stellte ich zunächst meine Promotion fertig, machte anschließend meinen Facharzt für Allgemeinmedizin und erwarb später noch die Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren. Als fertige Fachärztin kaufte ich mich in die Praxis ein und wurde zur Teilhaberin einer Gemeinschaftspraxis.

Als meine Kinder jünger waren, arbeitete ich zunächst in Teilzeit. Doch die hausärztliche Unterversorgung in ländlichen Gebieten war und ist auch in unserer Praxis deutlich spürbar. So arbeitete ich im Laufe der Jahre immer mehr, um der zunehmenden Arbeit gerecht zu werden. Als die Kinder aus dem Haus waren, nahmen mein Mann und ich zudem noch meine über 90-jährige Oma bei uns zu Hause auf und versorgten sie fast bis zu ihrem Lebensende.

2015 hatte ich dann zum ersten Mal das Gefühl völliger Erschöpfung und bin in Absprache mit meinem Kollegen 2 Wochen zu Hause geblieben. Diese kurze Auszeit hat mir sehr gutgetan, doch die Arbeit wurde nicht weniger und ich habe anschließend wieder genauso viel gearbeitet wie davor – ca. 50 bis 60 Stunden pro Woche inklusive aller bürokratischen Aufgaben.

Zwei Jahre später spürte ich dann eine zunehmende körperliche wie auch geistige Erschöpfung, was den Wunsch nach einer längeren Auszeit, der schon länger in meinem Hinterkopf existierte, immer stärker werden ließ. Zunehmend konnte ich auch einen erhöhten Blutdruck bei mir beobachten, obwohl ich schlank und sportlich war – dies deutete ich als körperliches Signal, dass ich auf mich und meine eigene Gesundheit achten sollte. Ich musste mir eingestehen, dass all die Geschichten, die man als Hausärztin im Laufe der Jahre so hört, doch nicht ganz spurlos an einem vorüberziehen und es manchmal vielleicht einfach an der Zeit ist, ein wenig Abstand zu nehmen – auch, wenn mir meine Patienten sehr am Herzen liegen und ich mir keinen Beruf vorstellen könnte, der mich mehr erfüllt.

Ende 2017 wurden die Pläne für mein Sabbatical konkreter. Da mein damaliger Kompagnon plante, bald in den Ruhestand zu gehen, war klar, dass ich meine Auszeit möglichst bald realisieren sollte. Gemeinsam entwarfen mein Kollege und ich einen Plan, wie ein mehrmonatiges Sabbatical mit normal weiterlaufendem Praxisbetrieb umsetzbar ist.

Die Planung meines Sabbaticals

Die Einigung meines Kompagnons und mir lautete wie folgt: Zunächst steige ich 5 Monate aus dem Praxisbetrieb aus und wenn ich wiederkomme, dann er – quasi als Beginn seines Ruhestands. Es war jedoch klar, dass nicht einer alleine den durch die KV erteilten Sicherstellungsauftrag erfüllen kann bzw. die ganze Arbeitslast alleine tragen kann. Durch Mundpropaganda wurde ich auf eine Kollegin aufmerksam, die eine neue Stelle suchte und sich gut vorstellen konnte, für den Zeitraum in unserer Praxis als Teilzeitkraft zu arbeiten. Der zweite Teil wurde von einer Weiterbildungsassistentin abgedeckt, die ebenfalls Teilzeit arbeiten wollte. Nun wusste ich also, dass die Patienten in meiner Abwesenheit gut versorgt sind und konnte mich der Frage zuwenden: Wie gestalte ich mein Sabbatical?

Eins war für mich von vornherein klar: Ich werde meine Auszeit nicht zu Hause verbringen! Als Ärztin einer Landarztpraxis begegnet man seinen Patienten ständig auch außerhalb der Praxis; sei es beim Einkaufen, im Restaurant oder einfach beim Spazierengehen – keine gute Voraussetzung, um den Kopf einmal komplett freizubekommen und abzuschalten. Die erste Idee, die mir in den Sinn kam, war zu reisen, um meinen Horizont zu erweitern. Doch nach längeren Überlegungen entschied ich mich für eine stille Auszeit an einem einzigen Ort, um wirklich ganz zur Ruhe kommen zu können. Der Ort, den ich für mein Sabbatical aussuchte, war Berlin – eine Stadt, die mich schon immer faszinierte, ein unglaublich breites kulturelles Angebot wie auch wunderschöne Natur im Umland bietet und in der ich dazu auch noch ein bisschen Familie habe. Nach kurzer Suche fand ich prompt ein möbliertes Zimmer zur Untermiete direkt an der Spree gelegen – besser hätte es nicht kommen können! Nun waren alle Rahmenbedingungen für mein Sabbatjahr vom 01. März bis 31. Juli 2018 geklärt.

Die Zeit meines Sabbaticals in Berlin

Mein primäres Vorhaben war es, in Berlin ganz viel „nichts“ zu tun, um meinem gewohnten Aktionismus zu entkommen. Zudem wollte ich einige Projekte angehen, für die mir im Alltag immer die Zeit fehlte.

Ich meldete mich für einen MBSR-Kurs (Mindfulness-Based Stress Reduction) an, da ich solch einen Kurs schon des Öfteren Patienten empfohlen, aber noch nie selbst gemacht habe. Außerdem wollte ich mir einen Kindheitstraum erfüllen und eine Kampfkunst erlernen, sodass ich mich auch hierfür zu einem 3-Monats-Kurs anmeldete. Ein weiterer Wunsch war die mehrwöchige Hospitation in einer naturheilkundlichen Klinik.

Im März 2018 packte ich dann mein Auto mit all meinen Koffern und insgesamt 72 Büchern (ich habe sie tatsächlich gezählt) und machte mich auf den Weg nach Berlin. In Berlin angekommen, kaufte ich mir zunächst eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel, ein Fahrrad und einen Museumspass für alle staatlichen Museen. Und dann verbrachte ich wundervolle Monate in Berlin – ich ging den oben vorgestellten Projekten nach, verbrachte ganz viel Zeit in der Natur, ging in Museen und Konzerte, las sehr viele Bücher und nahm mir Zeit für all das, was im Alltag zu kurz kam. Von Tag zu Tag merkte ich, wie ich mich körperlich wie auch geistig erholte und mich immer lebendiger fühlte.

Die Rückkehr

Wie zu erwarten, vergingen die 5 Monate sehr schnell und ich muss zugeben, dass ich am Ende gerne noch etwas länger in Berlin geblieben wäre. Nichtsdestotrotz freute ich mich auf wieder sehr auf mein Zuhause, meinen Mann und die Arbeit als Ärztin.

Nach Rückkehr in die Praxis hätte ich mir ein bisschen mehr Zeit fürs Ankommen gewünscht, doch dadurch, dass nahtlos mein Kompagnon aus der Praxis ausgestiegen ist, fiel direkt wieder eine hohe Arbeitslast an. Das führte jedoch auch gewissermaßen zu einer Art Neustart, da mein neuer Kompagnon eingestiegen ist und sich dadurch auch einige Strukturen änderten. Durch den Abstand, den ich in den vorherigen Monaten gewonnen hatte, war ich offen und zugänglich für Veränderung.

Was meine Rückkehr definitiv erleichtert hat, war die ehrliche Freude meiner Patienten darüber, dass ich wieder da bin. Und auch das durchweg positive Feedback der Patienten tat sehr gut, denn alle, mit denen ich offen über meine Auszeit gesprochen habe, haben mir gespiegelt, dass sie es sehr gut finden, dass ich auch auf mich achte, denn nur wer für sich selbst sorgt, kann auch für andere sorgen.

 

Wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse

Insgesamt würde ich sagen, dass mich mein Sabbatical sehr bereichert hat. Ich bin ruhiger geworden, ohne dabei mein Temperament zu verlieren und mein Blutdruck war ganz ohne Medikamente nach der Auszeit wieder im Normbereich. Außerdem habe ich gelernt, meine eigenen Grenzen zu erkennen und zu respektieren und dadurch mehr auf mich und meine Bedürfnisse zu achten. Das hat übrigens dazu geführt, dass ich die Kampfkunst wieder aufgegeben habe, da ich festgestellt habe, dass es mir nicht entspricht, gegen andere Menschen zu kämpfen. Auch von der Hospitation in der naturheilkundlichen Klinik habe ich sehr profitiert, da sie mir gezeigt hat, wie ich eine gute Balance finden kann, zwischen Wunsch und Umsetzbarkeit naturheilkundlicher Verfahren in meiner weiteren Praxistätigkeit. Leider hat dies jedoch auch die Neugierde auf weitere Bereiche, wie Orthomolekulare Medizin oder Fasten und Ernährungsmedizin geweckt.

Um die Erfahrungen meines Sabbaticals oder die neu gewonnen Eigenschaften nicht im Arbeitsalltag direkt wieder zu verlieren, habe ich mich in meiner letzten Woche in Berlin hingesetzt und alles aufgeschrieben, was ich aus den letzten Monaten „mitnehmen“ möchte. Beispielsweise habe ich mir vorgenommen, kurze Meditationen in meinen Alltag zu integrieren und mir Zeit für mich zu nehmen, auch wenn ich sie gerade eigentlich nicht habe, wie z. B. für einen 20-minütigen Spaziergang in der Mittagspause.

Rückblick nach 2 Jahren

Wenn ich jetzt, ziemlich genau 2 Jahre nach Beginn meines Sabbatjahrs auf die Zeit zurückblicke, würde ich die Zeit als wichtigen Baustein meiner Karriere beschreiben. Sowohl privat wie auch beruflich bin ich nach wie vor ruhiger und kann somit sagen, dass das Sabbatical nicht nur kurzfristig ein Erfolg war, sondern auch langfristig positive Auswirkungen hat. Und nicht nur ich, sondern auch meine Patienten profitieren von meiner Auszeit; sowohl dadurch, dass ich im Praxisalltag gelassener und entspannter bin, als auch von meiner neu dazugewonnen Lebenserfahrung, die dazu führt, dass ich manche Herausforderungen nochmal anders betrachten kann als früher.

Was ich anderen Ärzten mit auf den Weg geben würde

Ich würde jeden, der überlegt, für einige Monate seinen Job zu pausieren, sehr darin bestärken. Ich weiß, dass es eine große Hürde darstellt, sich überhaupt einzugestehen, dass man so etwas „nötig“ haben könnte, aber das Feedback von meiner Familie, meinen Freunden und nicht zuletzt meinen Patienten hat mir gezeigt, dass viele meiner Bedenken unbegründet waren.

Ein Sabbatical muss gut geplant werden und man muss sich einen genauen Plan machen, wie man sich die Zeit finanzieren möchte. Natürlich muss man in der Regel finanzielle Einbußen in Kauf nehmen, doch wenn alles gut geplant ist, kann dies gut zu bewerkstelligen sein. Als selbständige Ärztin hatte ich die Pflicht, eine Vertretung zu organisieren, wie auch zu bezahlen, was teurer war, als das, was ich in der Zeit verdient hätte. Wenn man jedoch in einer Klinik tätig ist, bleibt einem diese Herausforderung erspart. Hier wäre ein mögliches Modell, ein Jahr lang monatlich nur 50 % seines Gehalts zu erhalten, aber dafür auch nur 6 Monate zu arbeiten.

Eine weitere Hürde könnte die Frage sein: „Wie wirkt sich ein Sabbatical auf meinen Lebenslauf aus?“ Als Selbständige musste ich mir diese Frage zum Glück nur bedingt stellen. Nämlich: Was denken meine Patienten darüber? Und wie gesagt, hat mein Sabbatjahr meiner Behandlung eher noch mehr Glaubwürdigkeit verliehen, da den Patiente signalisiert wurde: Gesundheit ist wichtig und dafür muss man aktiv etwas unternehmen.

Aber auch für angestellte Ärzte sollte dies kein Hindernis darstellen, denn es lässt sich sehr schlüssig begründen, warum eine Auszeit eine Bereicherung darstellt; man sammelt weitere Lebenserfahrung, kann z. B. durch Hospitationen seinen Horizont erweitern und sich physisch wie auch psychisch erholen, was zu mehr Leistungsfähigkeit führt, sobald man zurück im Job ist.

Zusammenfassend würde ich deshalb sagen:

Ein Sabbatical ist ein Wagnis, doch es ist lohnenswert!

Unser eigenes Wohlbefinden ist sowohl zentral für eine gute Patientenversorgung als auch um glücklich und gesund Arzt sein zu können. Ein Sabbatical kann helfen, den richtigen Fokus zu finden. Auf Dauer brauchen Sie hierfür jedoch vor allem eine Position, die ideal zu Ihren eigenen Prioritäten passt, sodass Sie eine ausgewogene Work-Life-Balance haben.

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Ärzte über Viantro

Ich möchte mich bei allen Viantro-Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit herzlich bedanken. Ich wurde professionell und kompetent beraten und fühlte mich bei jedem Schritt sehr gut bei Viantro aufgehoben. Vielen Dank dafür!

Athanasios Stafylas – Allgemeine & Innere Medizin

Vielen Dank, dass Sie uns hinsichtlich der Unterlagen für Herrn K. sowie bei der Wohnungssuche Ihre Unterstützung anbieten. Auch wir bedanken uns für die super gute und reibungslose Zusammenarbeit. Ich erlebe mit einer anderen Agentur seit einem Jahr das komplette Gegenteil. Da schätze ich doch die Zusammenarbeit mit Profis!

F. R. – Abteilungsleitung Personalwesen

Nachdem ich meine Unterlagen an Viantro gesendet habe, hat das Team alles für mich aufbereitet und mich allen zu meinen Vorgaben und Wünschen passenden Kliniken vorgestellt. Mit meiner neuen Position als Unfallchirurg bin ich sehr zufrieden.

Luca Christiano – Unfallchirurgie

Seit einem halben Jahr arbeite ich dank Viantro als Assistenzärztin für Chirurgie. Vom ersten Kontakt bis zur Vertragsunterschrift waren die persönlichen Ansprechpartner von Viantro immer für mich da.
Ich bin sehr zufrieden und kann Viantro nur allen Ärzten weiterempfehlen.
Danke Viantro für so eine tolle Leistung.

Berline Freeman – Chirurgie

Als frisch approbierter ausländischer Arzt habe ich viele Bewerbungen geschrieben, ohne eine Stelle zu bekommen. Viantro hat ein Krankenhaus gefunden, das genau zu meiner angestrebten Weiterbildung passt und ich wurde direkt dort eingestellt. 
Das Viantro-Team war sehr freundlich und hat mir auch bei der Bürokratie wirklich sehr gut und menschlich weitergeholfen.

Kevin Kuan – Innere Medizin Gastroenterologie

So funktioniert Viantro

Mein Sabbatical als Praxisinhaberin

Ein Rückblick nach 2 Jahren

 

Die Vorgeschichte meines Sabbaticals

Von Kind an wusste ich, dass ich Ärztin werden wollte. Diesen Traum verwirklichte ich, indem ich von 1986 bis 1993 Medizin in Regensburg und München studierte.

Nach meinem Studium, meiner Arzt-im-Praktikum(AIP)-Zeit an einer Klinik und der Geburt meiner zwei Kinder begann ich als Weiterbildungsassistentin in einer Hausarztpraxis zu arbeiten. Parallel stellte ich zunächst meine Promotion fertig, machte anschließend meinen Facharzt für Allgemeinmedizin und erwarb später noch die Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren. Als fertige Fachärztin kaufte ich mich in die Praxis ein und wurde zur Teilhaberin einer Gemeinschaftspraxis.

Als meine Kinder jünger waren, arbeitete ich zunächst in Teilzeit. Doch die hausärztliche Unterversorgung in ländlichen Gebieten war und ist auch in unserer Praxis deutlich spürbar. So arbeitete ich im Laufe der Jahre immer mehr, um der zunehmenden Arbeit gerecht zu werden. Als die Kinder aus dem Haus waren, nahmen mein Mann und ich zudem noch meine über 90-jährige Oma bei uns zu Hause auf und versorgten sie fast bis zu ihrem Lebensende.

2015 hatte ich dann zum ersten Mal das Gefühl völliger Erschöpfung und bin in Absprache mit meinem Kollegen 2 Wochen zu Hause geblieben. Diese kurze Auszeit hat mir sehr gutgetan, doch die Arbeit wurde nicht weniger und ich habe anschließend wieder genauso viel gearbeitet wie davor – ca. 50 bis 60 Stunden pro Woche inklusive aller bürokratischen Aufgaben.

Zwei Jahre später spürte ich dann eine zunehmende körperliche wie auch geistige Erschöpfung, was den Wunsch nach einer längeren Auszeit, der schon länger in meinem Hinterkopf existierte, immer stärker werden ließ. Zunehmend konnte ich auch einen erhöhten Blutdruck bei mir beobachten, obwohl ich schlank und sportlich war – dies deutete ich als körperliches Signal, dass ich auf mich und meine eigene Gesundheit achten sollte. Ich musste mir eingestehen, dass all die Geschichten, die man als Hausärztin im Laufe der Jahre so hört, doch nicht ganz spurlos an einem vorüberziehen und es manchmal vielleicht einfach an der Zeit ist, ein wenig Abstand zu nehmen – auch, wenn mir meine Patienten sehr am Herzen liegen und ich mir keinen Beruf vorstellen könnte, der mich mehr erfüllt.

Ende 2017 wurden die Pläne für mein Sabbatical konkreter. Da mein damaliger Kompagnon plante, bald in den Ruhestand zu gehen, war klar, dass ich meine Auszeit möglichst bald realisieren sollte. Gemeinsam entwarfen mein Kollege und ich einen Plan, wie ein mehrmonatiges Sabbatical mit normal weiterlaufendem Praxisbetrieb umsetzbar ist.

Die Planung meines Sabbaticals

Die Einigung meines Kompagnons und mir lautete wie folgt: Zunächst steige ich 5 Monate aus dem Praxisbetrieb aus und wenn ich wiederkomme, dann er – quasi als Beginn seines Ruhestands. Es war jedoch klar, dass nicht einer alleine den durch die KV erteilten Sicherstellungsauftrag erfüllen kann bzw. die ganze Arbeitslast alleine tragen kann. Durch Mundpropaganda wurde ich auf eine Kollegin aufmerksam, die eine neue Stelle suchte und sich gut vorstellen konnte, für den Zeitraum in unserer Praxis als Teilzeitkraft zu arbeiten. Der zweite Teil wurde von einer Weiterbildungsassistentin abgedeckt, die ebenfalls Teilzeit arbeiten wollte. Nun wusste ich also, dass die Patienten in meiner Abwesenheit gut versorgt sind und konnte mich der Frage zuwenden: Wie gestalte ich mein Sabbatical?

Eins war für mich von vornherein klar: Ich werde meine Auszeit nicht zu Hause verbringen! Als Ärztin einer Landarztpraxis begegnet man seinen Patienten ständig auch außerhalb der Praxis; sei es beim Einkaufen, im Restaurant oder einfach beim Spazierengehen – keine gute Voraussetzung, um den Kopf einmal komplett freizubekommen und abzuschalten. Die erste Idee, die mir in den Sinn kam, war zu reisen, um meinen Horizont zu erweitern. Doch nach längeren Überlegungen entschied ich mich für eine stille Auszeit an einem einzigen Ort, um wirklich ganz zur Ruhe kommen zu können. Der Ort, den ich für mein Sabbatical aussuchte, war Berlin – eine Stadt, die mich schon immer faszinierte, ein unglaublich breites kulturelles Angebot wie auch wunderschöne Natur im Umland bietet und in der ich dazu auch noch ein bisschen Familie habe. Nach kurzer Suche fand ich prompt ein möbliertes Zimmer zur Untermiete direkt an der Spree gelegen – besser hätte es nicht kommen können! Nun waren alle Rahmenbedingungen für mein Sabbatjahr vom 01. März bis 31. Juli 2018 geklärt.

Die Zeit meines Sabbaticals in Berlin

Mein primäres Vorhaben war es, in Berlin ganz viel „nichts“ zu tun, um meinem gewohnten Aktionismus zu entkommen. Zudem wollte ich einige Projekte angehen, für die mir im Alltag immer die Zeit fehlte.

Ich meldete mich für einen MBSR-Kurs (Mindfulness-Based Stress Reduction) an, da ich solch einen Kurs schon des Öfteren Patienten empfohlen, aber noch nie selbst gemacht habe. Außerdem wollte ich mir einen Kindheitstraum erfüllen und eine Kampfkunst erlernen, sodass ich mich auch hierfür zu einem 3-Monats-Kurs anmeldete. Ein weiterer Wunsch war die mehrwöchige Hospitation in einer naturheilkundlichen Klinik.

Im März 2018 packte ich dann mein Auto mit all meinen Koffern und insgesamt 72 Büchern (ich habe sie tatsächlich gezählt) und machte mich auf den Weg nach Berlin. In Berlin angekommen, kaufte ich mir zunächst eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel, ein Fahrrad und einen Museumspass für alle staatlichen Museen. Und dann verbrachte ich wundervolle Monate in Berlin – ich ging den oben vorgestellten Projekten nach, verbrachte ganz viel Zeit in der Natur, ging in Museen und Konzerte, las sehr viele Bücher und nahm mir Zeit für all das, was im Alltag zu kurz kam. Von Tag zu Tag merkte ich, wie ich mich körperlich wie auch geistig erholte und mich immer lebendiger fühlte.

 

Die Rückkehr

Wie zu erwarten, vergingen die 5 Monate sehr schnell und ich muss zugeben, dass ich am Ende gerne noch etwas länger in Berlin geblieben wäre. Nichtsdestotrotz freute ich mich auf wieder sehr auf mein Zuhause, meinen Mann und die Arbeit als Ärztin.

Nach Rückkehr in die Praxis hätte ich mir ein bisschen mehr Zeit fürs Ankommen gewünscht, doch dadurch, dass nahtlos mein Kompagnon aus der Praxis ausgestiegen ist, fiel direkt wieder eine hohe Arbeitslast an. Das führte jedoch auch gewissermaßen zu einer Art Neustart, da mein neuer Kompagnon eingestiegen ist und sich dadurch auch einige Strukturen änderten. Durch den Abstand, den ich in den vorherigen Monaten gewonnen hatte, war ich offen und zugänglich für Veränderung.

Was meine Rückkehr definitiv erleichtert hat, war die ehrliche Freude meiner Patienten darüber, dass ich wieder da bin. Und auch das durchweg positive Feedback der Patienten tat sehr gut, denn alle, mit denen ich offen über meine Auszeit gesprochen habe, haben mir gespiegelt, dass sie es sehr gut finden, dass ich auch auf mich achte, denn nur wer für sich selbst sorgt, kann auch für andere sorgen.

 

Wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse

Insgesamt würde ich sagen, dass mich mein Sabbatical sehr bereichert hat. Ich bin ruhiger geworden, ohne dabei mein Temperament zu verlieren und mein Blutdruck war ganz ohne Medikamente nach der Auszeit wieder im Normbereich. Außerdem habe ich gelernt, meine eigenen Grenzen zu erkennen und zu respektieren und dadurch mehr auf mich und meine Bedürfnisse zu achten. Das hat übrigens dazu geführt, dass ich die Kampfkunst wieder aufgegeben habe, da ich festgestellt habe, dass es mir nicht entspricht, gegen andere Menschen zu kämpfen. Auch von der Hospitation in der naturheilkundlichen Klinik habe ich sehr profitiert, da sie mir gezeigt hat, wie ich eine gute Balance finden kann, zwischen Wunsch und Umsetzbarkeit naturheilkundlicher Verfahren in meiner weiteren Praxistätigkeit. Leider hat dies jedoch auch die Neugierde auf weitere Bereiche, wie Orthomolekulare Medizin oder Fasten und Ernährungsmedizin geweckt.

Um die Erfahrungen meines Sabbaticals oder die neu gewonnen Eigenschaften nicht im Arbeitsalltag direkt wieder zu verlieren, habe ich mich in meiner letzten Woche in Berlin hingesetzt und alles aufgeschrieben, was ich aus den letzten Monaten „mitnehmen“ möchte. Beispielsweise habe ich mir vorgenommen, kurze Meditationen in meinen Alltag zu integrieren und mir Zeit für mich zu nehmen, auch wenn ich sie gerade eigentlich nicht habe, wie z. B. für einen 20-minütigen Spaziergang in der Mittagspause.

Rückblick nach 2 Jahren

Wenn ich jetzt, ziemlich genau 2 Jahre nach Beginn meines Sabbatjahrs auf die Zeit zurückblicke, würde ich die Zeit als wichtigen Baustein meiner Karriere beschreiben. Sowohl privat wie auch beruflich bin ich nach wie vor ruhiger und kann somit sagen, dass das Sabbatical nicht nur kurzfristig ein Erfolg war, sondern auch langfristig positive Auswirkungen hat. Und nicht nur ich, sondern auch meine Patienten profitieren von meiner Auszeit; sowohl dadurch, dass ich im Praxisalltag gelassener und entspannter bin, als auch von meiner neu dazugewonnen Lebenserfahrung, die dazu führt, dass ich manche Herausforderungen nochmal anders betrachten kann als früher.

Was ich anderen Ärzten mit auf den Weg geben würde

Ich würde jeden, der überlegt, für einige Monate seinen Job zu pausieren, sehr darin bestärken. Ich weiß, dass es eine große Hürde darstellt, sich überhaupt einzugestehen, dass man so etwas „nötig“ haben könnte, aber das Feedback von meiner Familie, meinen Freunden und nicht zuletzt meinen Patienten hat mir gezeigt, dass viele meiner Bedenken unbegründet waren.

Ein Sabbatical muss gut geplant werden und man muss sich einen genauen Plan machen, wie man sich die Zeit finanzieren möchte. Natürlich muss man in der Regel finanzielle Einbußen in Kauf nehmen, doch wenn alles gut geplant ist, kann dies gut zu bewerkstelligen sein. Als selbständige Ärztin hatte ich die Pflicht, eine Vertretung zu organisieren, wie auch zu bezahlen, was teurer war, als das, was ich in der Zeit verdient hätte. Wenn man jedoch in einer Klinik tätig ist, bleibt einem diese Herausforderung erspart. Hier wäre ein mögliches Modell, ein Jahr lang monatlich nur 50 % seines Gehalts zu erhalten, aber dafür auch nur 6 Monate zu arbeiten.

Eine weitere Hürde könnte die Frage sein: „Wie wirkt sich ein Sabbatical auf meinen Lebenslauf aus?“ Als Selbständige musste ich mir diese Frage zum Glück nur bedingt stellen. Nämlich: Was denken meine Patienten darüber? Und wie gesagt, hat mein Sabbatjahr meiner Behandlung eher noch mehr Glaubwürdigkeit verliehen, da den Patiente signalisiert wurde: Gesundheit ist wichtig und dafür muss man aktiv etwas unternehmen.

Aber auch für angestellte Ärzte sollte dies kein Hindernis darstellen, denn es lässt sich sehr schlüssig begründen, warum eine Auszeit eine Bereicherung darstellt; man sammelt weitere Lebenserfahrung, kann z. B. durch Hospitationen seinen Horizont erweitern und sich physisch wie auch psychisch erholen, was zu mehr Leistungsfähigkeit führt, sobald man zurück im Job ist.

Zusammenfassend würde ich deshalb sagen:

Ein Sabbatical ist ein Wagnis, doch es ist lohnenswert!

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Ich möchte mich bei allen Viantro-Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit herzlich bedanken. Ich wurde professionell und kompetent beraten und fühlte mich bei jedem Schritt sehr gut bei Viantro aufgehoben. Vielen Dank dafür!

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Luca Christiano – Unfallchirurgie

Seit einem halben Jahr arbeite ich dank Viantro als Assistenzärztin für Chirurgie. Vom ersten Kontakt bis zur Vertragsunterschrift waren die persönlichen Ansprechpartner von Viantro immer für mich da.
Ich bin sehr zufrieden und kann Viantro nur allen Ärzten weiterempfehlen.
Danke Viantro für so eine tolle Leistung.

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