Die negativen Auswirkungen von Nachtschichten auf Ärzte

Alles, was Ärzte über Nachtschichten wissen muss


Lesezeit: 3 min.

Die wenigsten von uns mögen sie wirklich gerne und doch gehören sie zu unserem Beruf einfach dazu – die Rede ist von Nachtschichten. Der folgende Beitrag bietet einen Überblick darüber, welche Auswirkungen Nachtschichten auf unsere Gesundheit haben können, warum manchen das nächtliche Arbeiten wesentlich leichter fällt als anderen und wie Arbeiten als Arzt in einer Klinik ohne Nachtdienste möglich ist.


Auswirkungen von Nachtschicht auf unsere Gesundheit

Unser Körper ist auf einen 24-Stunden-Rhythmus eingestellt, an den viele physiologische Funktionen gekoppelt sind, wie beispielsweise die Melatoninproduktion. Während tagsüber weniger unseres Schlafhormons ausgeschüttet wird, steigt die Produktion am Abend stark an.

Wenn der natürliche zeitliche Ablauf aus dem Gleichgewicht gerät, dadurch, dass man nachts arbeitet und tagsüber schläft, dann wird auch der biologische Rhythmus unseres Körpers gestört – die Synchronisation unserer inneren Uhr mit dem äußeren Tag-Nacht-Rhythmus stimmt nicht mehr überein. Wenn dies über einen längeren Zeitraum immer wieder geschieht, kann sich das negativ auf unsere Gesundheit auswirken, was bereits in diversen Studien empirisch untersucht wurde.

So zeigen Metaanalysen, dass Schichtarbeit mit einem erhöhten Risiko für eine koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus oder das metabolische Syndrom einhergeht. Hier finden Sie die entsprechenden Originalveröffentlichungen:

Ein 2017 im Ärzteblatt veröffentlichtes Review befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Nachtschichtarbeit und dem Risiko für Depression. Hier konnten jedoch keine homogenen Ergebnisse gefunden werden. Während bei Studien, bei denen Pflegepersonal untersucht wurde, kein Zusammenhang zu beobachten war, weisen Studien, die auch andere Berufsgruppen berücksichtigten, auf ein erhöhtes Risiko für Depression nach mehreren Jahren Schichtarbeit hin. Somit kann jedoch kein genereller Rückschluss gezogen werden, dass Ärzte, die viele Nachtdienste machen, eher an Depression erkranken.

Durch die hohe körperliche Belastung und die fehlende Regelmäßigkeit im Tagesablauf, ernähren sich viele Leute, die in Nachtschichten arbeiten, ungesünder als die durchschnittliche Bevölkerung. Dies ist ernährungsphysiologisch jedoch sehr bedenklich. In der Nacht schalten Magen und Darm eigentlich in einen Ruhemodus. Deshalb sollte darauf geachtet werden, nachts nur leichte und fettarme Nahrung zu sich zu nehmen, da sonst das Risiko von Magen-Darmerkrankungen ansteigt.

Ein interessanter Befund ist auch, dass bei Untersuchungen des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA) an Pflegekräften beobachtet werden konnte, dass vor allem in der ersten Nachtschicht die Reaktionsfähigkeit abnimmt. Ab der zweiten Nachtschicht waren die Reaktionszeiten allerdings wieder fast identisch mit denen der Tagschicht. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Körper es schafft, sich bis zu einem gewissen Grad dem neuen Tag-Nacht-Rhythmus anzupassen.

Auswirkungen von Nachtschicht abhängig vom Chronotyp

Wie gut Ihr Körper mit der nächtlichen Arbeit umgehen kann, hängt vor allem davon ab, was für ein Chronotyp Sie sind, denn die Belastung durch Nachtschichten ist nicht für jeden Chronotyp identisch.

Da jeder Mensch individuelle Bedürfnisse hat, sind die Übergänge zwischen „frühen Typen“ und „späten Typen“ fließend. Dennoch unterscheiden Chronobiologen zwei grundlegend unterschiedlichen Typen: Lerchen (frühe Typen) und Eulen (späte Typen). Zur Feststellung, zu welchem Typ ein Mensch gehört, wird die Schlafmitte an arbeitsfreien Tagen beobachtet. Bei Lerchen ist die Schlafmitte eher früh in der Nacht, wohingegen sie bei Eulen relativ spät ist.

Dr. Céline Vetter vom Munich Center for Neuroscience der LMU München beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen Chronotyp, Schlafdauer und Schichtarbeit. Wenn man die Schlafzeiten bei Schichtarbeit mit denen an arbeitsfreien Tagen vergleicht, dann zeigen sich bei Lerchen und Eulen deutliche Unterschiede. Eulen, also Menschen mit einem späten Chronotyp, erleben bei einer Nachtschicht in etwa einen sozialen Jetlag von 4 bis 5 Stunden, genau wie auch bei einer Frühschicht. Unter sozialem Jetlag verstehen Chronobiologen die Zeitverschiebung des Schlafs zwischen einem freien Tag und einem Arbeitstag. Lerchen, also Menschen mit einem frühen Chronotyp, haben bei einer Nachtschicht einen sozialen Jetlag von durchschnittlich 7 Stunden. Eine Frühschicht hingegen entspricht ihrem natürlichen Schlafverhalten wesentlich mehr. Ein früher Chronotyp führt also dazu, dass bei einer Nachtschicht das biologische Gleichgewicht wesentlich mehr aus dem Gleichgewicht gebracht wird als es bei einem späten Chronotyp der Fall ist.

Doch welche Auswirkungen hat das jetzt für mich als Arzt?

Gekoppelt an das unterschiedliche Schlafverhalten, weisen Lerchen und Eulen auch unterschiedliche Leistungskurven auf – das bedeutet, dass sie zu unterschiedlichen Tageszeiten besonders leistungsfähig sind. Lerchen können besonders in den frühen Morgenstunden Leistung erbringen, wohingegen dies bei Eulen eher abends der Fall ist. Ärzten mit einem späteren Chronotyp fällt es somit leichter, nachts Leistung zu erbringen als Ärzten mit einem eher frühen Chronotyp.

Die Chronotypen beeinflussen also sowohl unser Schlafverhalten und somit auch Schlafstörungen als auch unsere Leistungsfähigkeit. Und wenn man dauerhaft gegen seinen biologischen Rhythmus arbeitet und dadurch unter Schlafstörungen leidet, kann dies wiederum die oben angesprochenen gesundheitlichen Probleme begünstigen.

Abbildung: Leistungskurven der Chronotypen |https://www.mystipendium.de/
studium/pruefungsvorbereitung

Den eigenen Chronotyp bestimmen

Aufgrund der verschiedenen Auswirkungen, die unser Chronotyp auf unser Arbeitsverhalten haben kann, ist es durchaus sinnvoll, sich selbst einmal die Frage zu stellen, welchem Typ man sich zuordnen würde. Hierbei gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass, wie oben bereits erwähnt, die Übergänge fließend sind und es somit auch „Normaltypen“ gibt, bei denen die durchschnittlichen Schlaf- und Leistungszeiträume zwischen denen von Lerchen und Eulen liegen.

Wenn Sie spontan nicht wissen, welcher Chronotyp sie sind, können Sie dies mithilfe des folgenden kurzen Selbsttests herausfinden:

https://www.onmeda.de/
selbsttests/eule_oder_lerche.html
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Arbeiten als Arzt ohne Nachtdienste

Egal welchem Chronotyp Sie entsprechen, Nachtschichten können unsere Gesundheit, unser Privatleben und das Patientenwohl auf eine harte Probe stellen. Mancher Arzt würde nicht nur aufgrund der gesundheitlichen, sondern auch aufgrund der sozialen Folgen gerne auf Nachtdienste verzichten, um eine bessere Work-Life-Balance zu haben.

Eine Möglichkeit hierfür ist zum Beispiel die Arbeit als Vertretungsarzt.
Als Vertretungsarzt hat man eine sehr hohe Flexibilität und kann sich die Einsätze entsprechend der eigenen Präferenzen zurechtlegen. Beispielsweise nur x Nachtschichten pro Monat oder auch eine Arbeit ganz ohne Nachtschichten.

Anstatt zunehmend unter der nächtlichen Arbeit zu leiden und das Gefühl zu haben, dass sich dies auch negativ auf Ihre Gesundheit ausübt, sollten Sie also überlegen, ob ein Einsatz als Vertretungsarzt der richtige Weg für Sie sein könnte.

Auch Festanstellungen mit besserem Freizeitausgleich nach Nachtdiensten oder besser verteilten Stellenschlüsseln und Schichtplänen können die eigene Lebensqualität und Zufriedenheit als Arzt verbessern, wenn ein Vertretungseinsatz keine Option für die eigene Berufsgestaltung darstellt.


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Ärzte über Viantro

Ich möchte mich bei allen Viantro-Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit herzlich bedanken. Ich wurde professionell und kompetent beraten und fühlte mich bei jedem Schritt sehr gut bei Viantro aufgehoben. Vielen Dank dafür!

Athanasios Stafylas – Allgemeine & Innere Medizin

Vielen Dank, dass Sie uns hinsichtlich der Unterlagen für Herrn K. sowie bei der Wohnungssuche Ihre Unterstützung anbieten. Auch wir bedanken uns für die super gute und reibungslose Zusammenarbeit. Ich erlebe mit einer anderen Agentur seit einem Jahr das komplette Gegenteil. Da schätze ich doch die Zusammenarbeit mit Profis!

F. R. – Abteilungsleitung Personalwesen

Nachdem ich meine Unterlagen an Viantro gesendet habe, hat das Team alles für mich aufbereitet und mich allen zu meinen Vorgaben und Wünschen passenden Kliniken vorgestellt. Mit meiner neuen Position als Unfallchirurg bin ich sehr zufrieden.

Luca Christiano – Unfallchirurgie

Seit einem halben Jahr arbeite ich dank Viantro als Assistenzärztin für Chirurgie. Vom ersten Kontakt bis zur Vertragsunterschrift waren die persönlichen Ansprechpartner von Viantro immer für mich da.
Ich bin sehr zufrieden und kann Viantro nur allen Ärzten weiterempfehlen.
Danke Viantro für so eine tolle Leistung.

Berline Freeman – Chirurgie

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Kevin Kuan – Innere Medizin Gastroenterologie

So funktioniert Viantro