Dexamethason und was Ärzte für die Behandlung von Corona-Patienten wissen müssen

Dexamethason

Was Ärzte zur SARS-CoV-2-Behandlung mit Dexamethason wissen müssen.

Lesedauer: 4 min.

In diesem Beitrag geben wir einen Überblick über das Medikament Dexamethason im Zusammenhang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2.

Dabei geht es unter anderem um die Studienergebnisse einer Studie der Oxford University, welche letzte Woche veröffentlicht wurden, die wichtigsten Fragen zur Wirkungsweise des Medikaments und darum, was Ärzte für die Behandlung mit Dexamethon wissen müssen.

Ein Beitrag der Molekular-Medizinerin Carla Schmidt der Oxford University.

Dexamethason und Covid-19

Auf der ganzen Welt versuchen Wissenschaftler einen wirksamen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln. Ein Impfstoff wird helfen, Infektionen mit SARS-CoV-2 vorzubeugen.

Aber was wenn man bereits an Covid-19 erkrankt ist?

Um Covid-19 Patienten zu helfen, müssen wirksame Medikamente entwickelt werden – was lange dauert, wie bereits in meinem Artikel zu Impfungen beschrieben.

Dabei ist das Hauptziel bei der Behandlung von Patienten, den Krankheitsverlauf schnell abzuschwächen und die Symptome zu lindern.

Deswegen gibt es zur langwierigen Entwicklung neuer Medikamente und Therapien eine effektive Alternative:

Medikamente, die bereits auf dem Markt sind und deren Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt sind.

In dieser Woche machte Dexamethason, ein billiges Steroidpräparat, Schlagzeilen auf der ganzen Welt.

Laut einer Studie aus Oxford, soll das Medikament die Todesfälle unter den schwerstkranken Covid-19-Patienten signifikant reduzieren.

Wissenschaftler spekulieren, dass ein frühzeitiger Einsatz von Dexamethason mehr als 4.000 Menschenleben hätte retten können.

Das sind etwa 10% der Menschen, die in Großbritannien an der Krankheit gestorben sind.

Was ist Dexamethason?

Dexamethason ist ein Glucocorticoid und zählt zu der Klasse der Corticosteroide.

Umgangssprachlich wird es auch als Kortisonpräparat bezeichnet.

Da es künstlich hergestellt wird, wirkt es länger und rund 25-mal stärker als körpereigene Steroidhormone.

Dexamethason ist bereits seit mehreren Jahrzehnten auf dem Markt.

Weil es stark entzündungshemmend wirkt, wird es unter anderem bei Ekzemen, Arthritis und Darmerkrankungen angewendet.

DexamethasonStrukturformel. Von Ed - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12654123

Wie wirkt Dexamethason?

Grundsätzlich wirkt Dexamethason wie alle Glucocorticoide anti-entzündlich und schwächt die Immunreaktion des Körpers indem es in den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel eingreift.

Glucocorticoide aktivieren in der Zellmembran lokalisierte Glucocorticoid-Rezeptoren.

Die aktivierten Rezeptoren beeinflussen im Zellkern die Produktion von zahlreichen Proteinen, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind.

Dexamethason stimuliert beispielsweise die Produktion von Lipocortin – ein Protein, welches das Enzym Phospholipase A2 hemmt.

Normalerweise wird Phospholipase A2 benötigt, um wichtige Mechanismen von Entzündungsreaktionen zu steuern und um Entzündungsmediatoren wie Prostaglandine und Leukotriene herzustellen.

Dexamethason blockt die Phospholipase und unterdrückt so die Immunantwort indem weniger entzündliche Botenstoffe ausgeschüttet werden.

Bild: Überblick der anti-inflammatorischen Wirkung von Dexamethason.
Quelle: https://www.nature.com/articles/s41584-018-0079-4/figures/1

Welche Nebenwirkungen hat Dexamethason?

Glucocorticoid-Rezeptoren kommen im Körper ubiquitär auf fast allen Zellen vor.

Demnach beeinflussen Kortisonpräparate wie Dexamethason fast alle Organe des menschlichen Organismus.

Dadurch können insbesondere bei hohen Dosierungen schwere Nebenwirkungen auftreten.

Dazu gehören unter anderem Akne, Verdauungsprobleme und Gewichtszunahme, psychiatrische Erkrankungen und Störungen der Sexualhormonproduktion.

Da Dexamethason das Immunsystem stark hemmt, kann es auch vorkommen, dass man anfälliger für Infektionen durch andere Erreger wie Bakterien oder Pilze wird.

Wichtig ist auch, dass Glukokortokoide Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von anderen Medikamenten hervorrufen können.

Deswegen muss die Dosierung von Dexamethason immer streng überwacht und gegebenenfalls angepasst werden.

Wie kann Dexamethason bei Covid-19 helfen?

Eigentlich ist das Immunsystem unser wichtigster Helfer im Kampf gegen virale Infektionen.

Wieso sollte Dexamethason – welches die Immunantwort hemmt – gerade bei einer Infektionskrankheit wie Covid-19 helfen?

Bei Patienten, die schwer an Covid-19 erkranken, ist es nicht das Virus , das tötliche Folgen hat, sondern eine unkontrollierte Reaktion des Immunsystems.

Die schwer Betroffenen entwickeln eine Überreaktion – einen Zytokin-Sturm – der viele lebenswichtige Organe schädigen und zu Multiorganversagen führen kann.

Bei Covid-19 Patienten kann es durch SARS-CoV-2 zu einer Schädigung von Lungengewebe kommen.

Dies löst eine Immunantwort aus, bei der geschädigte Zellen eliminiert werden ,um das beschädigte Gewebe zu ‚verarzten’ und zu reparieren.

Durch den Zytokin-Sturm bei besonders schwer Erkrankten kann es dazu kommen, dass sich die Entzündungsreaktionen auch im restlichen Körper ausbreiten und andere Organe schädigen.

Eine Therapie mit Dexamethason soll also die Überreaktion des Immunsystems lindern anstatt das Virus direkt zu bekämpfen.

Was besonders für schwer Betroffene einen vielversprechenden Ansatz darstellen sollte.

Die Studie aus Oxford

Und genau diesen Ansatz bekräftigen die Ergebnisse der Studie aus Oxford von Horby et al.

Obwohl die Ergebnisse zunächst nur mit einer Pressemitteilung veröffentlicht wurden, gibt es nun eine Vorpublikation.

Laut der Studie senkt Dexamethason die Zahl der Todesfälle unter den Covid-19-Patienten ,die Sauerstoff benötigten, um ein Fünftel.

Bei schwer Erkrankten, die beamtet werden mussten, sank die Zahl sogar um ein Drittel.

Bei weniger schwer Erkrankten wurde die Sterblichkeit durch Dexamethason nicht verringert.

Das lässt sich wohl darauf zurückführen, dass diese Patienten nicht unter einer Überreaktion des Immunsystems litten.

Folgen der neuen Erkenntnisse zu Dexamethason

Auf den ersten Blick erscheint Dexamethason als Therapie gegen Covid-19 als Durchbruch.

Vorallem weil das Präparat auf der ganzen Welt vorrätig und sehr kostengünstig ist.

Für weniger als 60 Euro kann man ca. acht Patienten behandeln.

Dennoch sind Aussagen einer einzelnen Studie immer kritisch zu betrachten.

In der Oxford Studie wurden nur Patienten aus dem Vereinigten Königreich einbezogen. Wir brauchen mehr Ergebnisse aus anderen Ländern und Kontinenten, die den positiven Nutzen von Dexamethason gegen Covid-19 bestätigten.

Die Ergebnisse der Oxford Studie sind zwar durchaus vielversprechend, aber nur bei schwer betroffenen Covid-19 Patienten.

Dieser Zusatz ist wichtig, da Dexamethason bei anderen Patienten schädliche Nebenwirkungen, wie eine höhere Infektanfälligkeit, hervorrufen kann.

Deswegen wird Dexamethason wohl nicht sofort auf die offizielle Liste der aktuellen Empfehlungen zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit Covid-19' gesetzt.

Es wird viel mehr in der Verantwortung des behandelnden Arztes liegen, auf individueller Patientenbasis zwischen dem Nutzen und Schaden einer Dexamethasontherapie abzuwägen.

Fakt ist, dass uns Dexamethason vor allem für die am schwersten von Covid-19 Betroffenen neue Perspektiven und Hoffnung gibt.

Carla Schmidt ist Molekularmedizinerin der University of Oxford
Carla Schmidt , Molekular-Medizinerin der Oxford University
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